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Eine Villa im Prinzenviertel
© Stadt Berlin

Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte Karlshorsts

Erst arm, dann reich – Das Prinzenviertel entsteht
Erst nach dem Bau der Niederschlesisch-Märkischen Eisenbahn 1842 begann die Besiedlung des Terrains, 1895 wurde Karlshorst offiziell zur Wohnkolonie erklärt. Ursprünglich ging diese Siedlung auf das Sozialengagement adeliger Familien zurück, welche die Auswirkungen der Wohnungsnot im steinernen Berlin lindern wollten. Diese Idee wurde später jedoch zugunsten einer “Colonie für besser situierte Leute” verworfen und es wurden die repräsentativen Stadtvillen gebaut, die zum großen Teil heute noch erhalten sind. Die Villenkolonie stieg zu einem der beliebtesten Vororte Berlins auf und wurde auch “Dahlem des Ostens” genannt.

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Furnierwerk Karlshorst
© Landesarchiv Berlin

Die Industrie in Karlshorst blüht auf
1924 entstand die Furnierfabrik der Geschäftsleute Mamlok, Messow & Hirschfeldt, auch bekannt als die „Holzkönige“. Nachdem die jüdischen Fabrikanten in den 1930er Jahren in die Niederlande auswandern mussten, wurde das Werk verkauft und ab 1941 in die Kriegsproduktion eingebunden. Nach Kriegsende wurden die wichtigsten Produktionsanlagen als Reparationszahlungen demontiert. Trotzdem konnte der Betrieb ab 1946 schrittweise für die Produktion wieder aufgenommen werden. 1951 entstand daraus der VEB Holzveredelung. 1991 wurde der Betrieb stillgelegt und die Belegschaft entlassen. Seither verwahrlost das Gelände zusehends.
1964 erhielt der Blockdammweg mit dem VEB Möbelwerke Karlshorst noch einen weiteren Großbetrieb. 1990 wurde der Betrieb privatisiert. Das dritte große Unternehmen südlich des Blockdammweges, das während der 1970er-Jahre entstand, war der VEB Maschinenbauhandel, dessen gewaltiger gläserner Gebäudekomplex heute noch die Trautenauer Straße säumt. 1992 wurde das Unternehmen verkauft und ging 1993 in Liquidation. Die Lager- und Büroflächen wurden vermietet.

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Das Kraftwerk Klingenberg
© Landesarchiv Berlin

Eine neue Generation an Großkraftwerken – Das Kraftwerk Klingenberg
Der prägendste Betrieb vor Ort war und ist das Kraftwerk Klingenberg. 1925 waren 25% der Berliner Haushalte an das Stromnetz angeschlossen. Um den Bedarf zu decken, entwickelte der Ingenieur Georg Klingenberg das damals größte Großkraftwerk Europas auf Steinkohlebasis. Das Kraftwerk wurde zum Vorbild einer neuen Generation von Großkraftwerken. Es war nicht nur ein funktionaler Gebäudekomplex, sondern auch ein Meisterwerk der Industriearchitektur. Später während des Nationalsozialismus stieg der Energiebedarf wegen der Rüstungsaufträge stark an. Im April 1945 konnte eine Sprengung verhindert werden. Das Kraftwerk ging im Mai 1945 wieder ans Netz, wurde allerdings mit Braunkohle weiterbetrieben.

Karlshorst unter Sowjetherrschaft
Mit dem gutbürgerlichen Idyll war es nach dem Einmarsch der sowjetischen Armee vorbei. Am 3. Mai 1945 wurde das gesamte Wohngebiet zu beiden Seiten der Treskowallee zum Sperrgebiet erklärt und in der Nacht vom 8. auf den 9. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht unterzeichnet. Das Gebäude des Offizierkasinos Karlshorst diente anschließend bis 1949 als Hauptquartier der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD). Der Name „Karlshorst“ war in der Presse oft das Synonym für die SMAD. Zwischen 1945 und 1962 blieb der nördliche Bereich von Karlshorst zu großen Teilen sowjetisches Sperrgebiet, konnte jedoch ab 1949 von deutschen Bewohnern betreten werden. 1994 wurden gemäß den Bestimmungen des Zwei-plus-Vier-Vertrages die letzten russischen Soldaten aus Karlshorst abgezogen.

Karlshorst heute
Seit einigen Jahren kommt Leben in die Siedlung: Die Gründerzeitvillen werden aufwendig restauriert und Neubauten verändern das Zentrum rund um den S-Bahnhof. Für die Zukunft sind weitere Veränderungen zu erwarten.

Quellen:
Kulturring in Berlin e.V.:110 Jahre Karlshorst, Streiflichter der Geschichte eines Berliner Ortsteils, Berlin, 2005
Bezirksamt Lichtenberg von Berlin (Hrg.): Fabrikstadt Lichtenberg Bergauf-Bergab im Berliner Osten, Berlin, 1997